LESEPROBE 2

1. Kapitel

Rückblick: 

Es war ein Dienstagmorgen. 

Und es war sehr windig an diesem Tag. 

Der junge Mann saß auf einer felsigen Klippe. 


Er hatte die Augen fest geschlossen. Ein einsamer Ort. 


Würde er die Augen öffnen, könnte er fast 30 Meter in die Tiefe blicken

 und das weiße, dünne Band des sandigen Strandes unter sich erkennen. 

Doch das einzige, das er wahrnehmen konnte, war der laute,

 tosende Wind, der an seinen kurzen dunklen Haaren zerrte.


Der Betrachter hätte ihn auf etwa 30 Jahre geschätzt. 

Vielleicht etwas älter. Er war schlank und hübsch. Aber es war etwas anderes, dass diesen Mann ausmachte. Es war seine starre Haltung, dass 

aufrechte Sitzen, als wollte er mit geschlossenen Augen etwas in der Ferne am Horizont erkunden. 


Über dem Meer bewegten sich einige Möwen durch die Lüfte. 

Ab und zu hörte man Ihre Laute mit dem Wind ein Konzert geben, 

wenn sich eine der Böen zu ihm verirrte. 


Er saß dort schon über eine Stunde, ohne sich wirklich zu bewegen, 

weit ab der Zivilisation. 


Erst jetzt konnte der aufmerksame Betrachter eine Veränderung 

feststellen, denn es schien sich eine Träne zu lösen, die den Versuch 

unternahm, sich den Weg zwischen seinen Augenschlitzen 

hindurch zu bahnen.


Er fühlte sich wohl in der Einsamkeit. 


Weit weg von dieser verlogenen `zivilisierten` Bevölkerung, dieser Wegwerfgesellschaft, die für alles bunte Container hatte – für Altglas, 

Kunststoff, Biomüll und Batterien – nur nicht für die weggeworfenen und 

ausgelutschten Seelen, die bei der Jagd nach immer größeren 

Egostrukturen ihrer Mitbewohner auf der Strecke blieben. 


In der Menschen ausgetauscht wurden wie kaputte Uhren, wenn sie 

nicht mehr rundliefen oder richtig tickten in den deren Augen. 

Auch Kim hatte sich an diesem System beteiligt. Schneller, höher, 

weiter. `Carnival of souls` nannte seine Freunde dieses Spiel. 

 

...


Er blickte mit seinen Augen, obwohl geschlossen, auf ein Straßencafe. 

Es war strahlend blauer Himmel. Menschen lachten, und das Klirren der 

Gläser war zu vernehmen. Die Atmosphäre hatte etwas Touristisches 

an sich, und dies alles spielte sich in einem südlichen Land ab. 

Plötzlich war ein lauter Knall zu hören – und die Vision riss ab...

 

Kim öffnete seine Augen. 


Immer noch saß er wie versteinert auf dieser Klippe mit dem Kopf 

Richtung Horizont. Erst jetzt begann er sich durch die zerzauste Frisur 

zu fahren, die der Wind in den letzten Stunden an dieser Stelle auf seinem 

Haupt kreiert hatte, bevor er langsam aufstand und sich von der 

Klippe wegbewegte.


Er lief über eine steinige Anhöhe hinunter zu einem verlassenen 

Parkplatz, auf welchem sein dunkler Jeep parkte. 


Kim schaute auf die Uhr. Eigentlich war er längst überfällig, der Grund 

seines Aufenthaltes. 


Er sollte schon seit 30 Minuten hier sein. 


Als hätten sich seine Gedanken den Weg durch die Weiten der 

unwegsamen Landschaft gebahnt, hörte Kim plötzlich aus der Ferne 

Motorenlärm, der langsam lauter wurde. 


Kim hatte sich noch nie mit jemanden vom Geheimdienst getroffen. 

Und schon gar nicht mit jemanden, der vor seinen eigenen Arbeitgebern

auf der Flucht war. 


Wenn er daran dachte, wurde ihm schon etwas mulmig zumute, deshalb 

versuchte er diese Gedanken zu verdrängen. Sicherheitshalber nahm er

 sein Handy aus der Tasche und schaltete es aus. Damit wollte er sich 

selbst beruhigen.


Ein schwarzer Chevrolet bahnte sich seinen Weg auf der unwegsamen 

Straße zu dem kleinen Parkplatz hinauf. Er wirkte dabei wie ein 

Schaufelbagger, da auf beiden Seiten des ankommenden Wagens der 

Staub auf der Fahrbahn durch den Wind nach oben geschleudert wurde

 und zu flüchten schien, als hätte man ihn aufgeweckt. 


Am Steuer saß ein Mann, den er auf etwa 38 Jahre schätzte, mit 

kurzem Bürstenhaarschnitt und markanten Gesichtszügen, wobei er sein 

Gesicht hinter einer dunklen Sonnenbrille zu verstecken schien. 

Er parkte seinen Wagen neben dem alten Jeep und schwang sich mit 

einem lässigen Grinsen auf dem Gesicht aus dem Fahrzeug.


Kim ging langsam auf ihn zu. 


Ihn irritierte die etwas locker wirkende Art des Mannes. Hatte er doch

eher einen sich ständig unter Beobachtung  fühlenden, sich ständig 

verschreckt umschauenden Herrn erwartet, einen dunklen, ins Gesicht 

gezogenen Hut und einen langen Trenchcoat. 


Doch der Mann schien sich nicht um Kims Erwartungen zu kümmern, 

als er mit einem breiten Grinsen im Gesicht vor ihm stehen blieb und ihm 

seine rechte Hand zur Begrüßung auf die Schulter donnerte.


Merkwürdig... 


Kim hatte das Gefühl, diesen Mann zu kennen... 


Obwohl er sich ziemlich sicher war, dass er diesem noch nie in seinem

 Leben begegnet war .... Er trug eine blaue Jeans und ein Holzfällerhemd, 

war schlank und hätte sein Geld sicherlich auch mit Fernsehwerbung für 

Rasierschaum verdienen können.


Zum ersten mal standen sie sich gegenüber. Kim hatte über einen Be-

kannten von Mike erfahren, und dass er gerade vor seinem ehemaligen 

Arbeitgeber, dem amerikanischen Geheimdienst CIA, auf der Flucht wäre.

 Warum, das würde er heute vielleicht noch erfahren. 


„Mike Aldrigde!“, 

sagte der Mann mit lauter, tiefer Stimme zur Begrüßung, 

nachdem er Kims Schulter merklich ausgerenkt hatte. 


„Kim. Kim Forster“, 

antwortete Kim, während er sich seine Schulter massierte.


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